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Sexarbeiterin vs. Hure - anders betrachtet

Ich verstehe mich nicht als Sexarbeiterin. Ja, ich verstehe diesen Begriff überhaupt nicht. Er fühlt sich für mich statisch an. Ohne Gefühl. Ein Begriff ohne Tiefe. Leer. Plastisch. Dieser Begriff beschreibt für mich eine Technik. „Schnell alles hinter sich bringen“, verbirgt sich für mich in diesem Wort. Am besten eingepackt in Plastik. Nicht berühren. Nicht riechen. Nicht schmecken. Nicht Hingeben. Sondern einfach diese Technik anbieten. Vielleicht stehe ich mit diesem Gefühl der Kälte, wenn ich dieses Wort höre und ausspreche, allein da. Das ist mir egal. Es ist halt so


Sexarbeiterin also. Wie fühlt sich ein Gast, der eine Sexarbeiterin besucht? Wie ist sein Gefühl dazu? Fühlt er sich wohl? Empfindet er so etwas wie Neugierde und Vorfreude auf das Kennenlernen, die Blicke, das Herantasten oder möchte er es einfach nur hinter sich bringen?


Und…wie fühlt sich eine Sexarbeiterin, die besucht wird? Ist sie aufgeregt auf das erste Mal? Oder gar erregt, wenn die Chemie zwischen ihr und dem Besucher gänzlich stimmt. Fühlt sie das Feuer? Oder möchte sie es auch einfach schnell hinter sich bringen? Eine Technik anwenden.


Lass‘ dieses Wort doch mal auf dich wirken, wenn du magst. Schließe die Augen und versuche, das Wort zu fühlen. Ist da etwas? Ein Gefühl? Ein Aufflackern der Lust? Spürst du das Kribbeln zwischen deinen Schenkeln, wenn du dieses Wort auf dich wirken lässt? Fühlst du irgendetwas?


Ich spüre da nichts. Gar nichts. Sexarbeiterin zu sein ist nichts für mich. Würde ich wahrscheinlich nie tun. Kein Interesse.

Ich verstehe mich als Hure. Ich fühle mich als Hure. Begehrenswert. Schön. Wild. Übermütig. Demütig. Hure - dieses Wort vereint für mich Hingabe und Lust. Es trägt den lasziven Geruch und Geschmack von ausgelassenem Sex. Unter Hure verstehe ich ursprüngliche Weiblichkeit. Sanft und doch entschlossen. Sensibel und stark. Die Hure verführt dich und lässt sich verführen. Hure - dieses Wort fühle ich. Ich kann es schmecken und riechen.


Wie fühlt sich ein Gast, der zu einer Hure geht, die in dieser gemeinsamen Zeit zu seiner Hure wird? Wie fühlt er sich, wenn sie seine Männlichkeit mit Lust betrachtet. Wie fühlen sich ihre Berührungen an? Wie fühlt es sich an, wenn sie bei ihm liegt. Wenn sie gerne mit ihm ist.


Wie fühlt sich eine Hure, wenn sie sich vorbereitet. Auf das Zusammensein. Auf das Kribbeln des ersten Males. Auf das Ausziehen, die Berührungen. Wie fühlt sich eine Hure, die sich nicht schämt, eine Hure zu sein?


Schließe nochmals deine Augen, wenn du magst und lasse auch dieses Wort auf dich wirken. Hure. Fühle das. Was fühlst du, wenn du dir vorstellst, dass du deiner Hure bald gegenüberstehst? Was fühlst du, wenn du dir vorstellst, dass du dich ausziehst und zeigst? Spürst du, wie sich der Bauch vor Lust zusammenzieht und die Erregung deine Schenkel erreicht?

Ich spüre da so viel. So viel. Hure zu sein, das ist etwas für mich. Das bin ich und das möchte ich auch sein.


Claudia Nova


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