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Habe ich ständig Lust auf Sex oder was treibt mich an?

Vielleicht hat der eine oder andere die Vorstellung, dass ich ständig Lust auf Sex habe oder möglicherweise auch zwingend Sex haben muss.


So ist das nicht.


Ich wache in der Regel morgens ohne unbändige Lust auf Sex auf. Ich bin nicht ständig erregt und auf der Suche nach jemandem, der mich begatten könnte.


Auch gehe ich nicht erregt einkaufen, lese geil ein Buch oder treffe mich mit Freunden, in der Hoffnung, ich lerne jemanden kennen, der mich unbedingt vernaschen sollte. Das ist ganz und gar nicht so. Meine sexuelle Lust ist nicht überdimensioniert, wenn ich das überhaupt beurteilen kann, denn wo fängt das „Überdimensionierte“ an und wo hört es auf? Aber das ist sicher ein anderes Thema.


Die Erregung, die ich empfinde, ist gekoppelt mit meinem Job als Escort Lady.


Der erste Moment, in dem ich eine leichte Erregung verspüre, ist der Moment, an dem das Date für ein Treffen fix ist. Dieser Erregung ist immer auch eine Prise Aufgeregtheit beigemischt. Es fängt an, im Körper zu prickeln.


Die Vorstellung, mich mit jemandem zu treffen, denn ich nicht kenne und in der Regel noch nie gesehen habe, erregt mich. In den meisten Fällen ist es ein absolutes blind Date für mich.


Sobald ich realisiert habe, dass ich diesem Unbekannten bald gegenüberstehen werde, springt das Kopfkino an und das Spiel beginnt.


Ich werde eine andere. Ich fühle mich anders.


Mein Körper kribbelt und erschauert. Ich stelle mir vor, was und wie alles geschehen könnte und koste jede Möglichkeit aus, die durch meinen Kopf wandert.


Mich erregt es sehr, begehrt zu werden. Mich erregt die Aussicht auf Verführung. Mich erregt die Vorstellung, dass bei meinem Auftraggeber (oder sollte ich lieber Freier sagen?) auch das Kopfkino anspringt. Mich macht geil, mit meiner Anwesenheit geil zu machen. Die Idee oder fast schon das Wissen, dass es ihm gefallen wird, sehr gefallen wird, erregt mich. Eine gewisse Laszivität breitet sich in meinem Körper aus. Ich fühle mich zügellos und übermütig; ein wenig verrucht und geheimnisvoll.


Mein Kopfkino präsentiert mir, dass ich ein nicht unerhebliches Honorar bekomme - auch das erregt mich. Es erregt mich, und da bin ich ganz ehrlich, dass das Honorar stapelbar ist. Über Geld redet man ja gewöhnlich nicht, und es ist in dieser Gesellschaft fast verwerflich, gut zu verdienen (mit diesem Job in den meisten Köpfen der Menschen sowieso) und es dann auch noch zu kommunizieren; aber ich mache das. Ich rede darüber. Ich erwähne, dass mich auch das Honorar, dass ich bekomme, geil macht.


Diese Gedanken gehen mir erst blitzartig durch den Kopf und dann fühle ich sie in meinem Körper. Von der Haar- bis zur Fußspitze breitet sich die Erregung aus.

Ich koste mein Kopfkino aus, trinke davon, und in dem Moment, indem das Treffen nur noch ein paar Minuten entfernt ist, ist es so, als ertrinke ich fast in Lüsternheit und aus dieser Lüsternheit heraus treffe ich mich.


Es ist also schon der Job, der mich sehr erregt. Vielleicht auch ein bisschen, weil er in dieser Gesellschaft immer noch in Zusammenhang gebracht wird mit Dingen, die man eigentlich nicht tut. Oder sich schämen muss, wenn man sie tut. Und wenn man sie dann schon tut, besser nicht drüber reden sollte. Vielleicht hat mich auch schon immer das vermeintlich Verbotene gereizt. Möglich ist das.


Aber ganz sicher ist es nicht nur das vermeintlich Verbotene, was reizt, denn mir tut es natürlich auch gut, gutzutun. Es erfüllt mich, mich auszutauschen und das in jeder Hinsicht. Es ist ein Mehrwert für mich und eine wohlige Freude in mir, wenn mein Gegenüber mich mit einem Lächeln verlässt und die Erinnerung behält.


Claudia Nova



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